An der Bode im Harz hatte ich richtig Glück: In einer Felsspalte über dem rauschenden Wasser hatte sich ein Wasseramsel-Paar sein Nest gebaut. Ich saß am gegenüberliegenden Ufer, hinter Felsen verborgen, und beobachtete, wie beide Altvögel in schöner Regelmäßigkeit anflogen und sich um das Nest herum aufhielten – meine ersten Wasseramsel-Fotos waren im Kasten. Eine Woche später fuhr ich noch einmal hin und diesmal gab es, als Sahnehäubchen, auch noch Fotos von den Küken.

Der einzige Singvogel, der taucht

Was die Wasseramsel so besonders macht: Sie ist der einzige heimische Singvogel, der schwimmen und tauchen kann. Unter Wasser läuft sie sogar über den Gewässergrund, die Flügel schräg gegen die Strömung gestellt, damit sie nicht wie ein Korken nach oben schießt – dabei sucht sie nach Larven von Köcher- und Steinfliegen zwischen den Steinen. Zu finden ist sie fast nur an klaren, schnell fließenden Bächen und Flüssen mit steinigem Grund, wie eben hier an der Bode im Harz, wo genug Sauerstoff und Nahrung für sie im Wasser steckt.

Die Besonderheit der Wasseramsel im Bild festzuhalten – den Augenblick, in dem sie kopfüber ins Wasser eintaucht oder wieder daraus hochschnellt, umgeben von einer kleinen Fontäne aus Tropfen und Spritzern – hat mir besonders viel Spaß gemacht.

Zwischen zwei Tauchgängen saß sie dann für Momente auch mal ruhig auf einem Stein am Ufer oder mitten im Wasser – und ermöglichte mir so diese Aufnahmen:

Im Flug

Es ist spannend, die Vögel beim Flug zu beobachten. Wasseramseln fliegen dabei meist knapp über der Wasseroberfläche, fast wie kleine Pfeile, die zwischen den Steinen hindurchschießen. Die Flügel wirken im Flug erstaunlich lang und spitz – ganz anders als im Sitzen, wo die Vögel eher rundlich und kompakt wirken.

Ein paar Aufnahmen sind mir dabei besonders gut gelungen: der Absprung vom Stein, die Flügel im Aufschlag weit ausgebreitet, und mittendrin ein Vogel, der förmlich über dem Wasser zu schweben scheint. Um solche Aktionen einzufangen, brauchte es einiges an Geduld und vor allem einen sehr guten Autofokus sowie eine hohe Serienbildgeschwindigkeit.

Die Küken

Auf den Fotos sind zwei verschiedene Küken zu sehen: eines schon ein paar Tage flügge, das andere noch ganz frisch aus dem Nest. Das größere hatte sich schon ziemlich weit vom Nest entfernt und erkundete auf eigene Faust immer wieder die Umgebung.

Das kleine Küken musste gerade seinen allerersten Flugversuch unternommen haben – und landete dabei prompt im Wasser. Von dort rettete es sich in eine kleine Höhle direkt am Ufer, kaum zu sehen, geduckt zwischen den Felsen, während die Fütterungen der Altvögel scheinbar nur dem größeren Geschwister galten. Auf meinem Beobachtungsposten überlegte ich schon hin und her, wie man dem Küken helfen könnte – aber die Natur regelte es dann doch von selbst. Schließlich entdeckte einer der Altvögel das kleine Küken, musste dafür allerdings durchs Wasser tauchen, um überhaupt zu ihm zu gelangen. Von da an wurde es regelmäßig mit Futter versorgt.

Am nächsten Morgen dann der große Fortschritt: Das kleine Küken saß putzmunter auf einem Felsen mitten im rauschenden Wasser, als hätte es nie etwas anderes gekannt – es ist erstaunlich, welche Widerstandskraft in so einem kleinen Kerlchen steckt und wie sehr es schon vom ersten Moment an, an das Leben im Wasser angepasst ist.

Wenn das Wasser verschwimmt

Immer wieder habe ich mit langen Belichtungszeiten experimentiert: Das Wasser wird dabei weich und seidig, während die Wasseramsel als scharfer Fixpunkt mittendrin sitzt – ein schöner Kontrast zur sonst so hektischen Strömung der Bode.

Das letzte Bild ist durch starke Unterbelichtung entstanden: vor dunklem Hintergrund, der Vogel nur im Flug zu erahnen, fast schon abstrakt.